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Grundlagen & Dokumente

Dokument anlegen: Seitenformat, Ränder und Spalten

Dokument anlegen in InDesign: So wählst du Seitenformat, Ränder, Spalten, Doppelseiten und Anschnitt passend für dein Druckprojekt.

27. November 2023 7 Min. Lesezeit

KI-generiert

Eine Broschüre ist schon fast fertig, dann stellt die Druckerei fest: Das Format stimmt nicht, der Anschnitt fehlt und die innere Spalte ist für die Bindung zu schmal. Solche Korrekturen kosten Zeit, besonders wenn Bilder, Textrahmen und Musterseiten bereits angelegt sind. Deshalb beginnt ein stabiles InDesign Dokument nicht mit dem ersten Textkasten, sondern mit ein paar klaren Entscheidungen zu Format, Seitenaufbau und Ausgabe.

Vor dem Anlegen: Was muss das Dokument leisten?

Öffne nicht einfach ein leeres A4 Dokument, weil es vertraut aussieht. Kläre zuerst, welches Endprodukt entstehen soll und wie es ausgegeben wird. Für ein internes PDF gelten andere Anforderungen als für eine gedruckte Imagebroschüre oder einen Geschäftsbericht mit Klebebindung.

Diese Angaben solltest du vor dem Anlegen sammeln:

  1. Endformat der einzelnen Seite, zum Beispiel A4, A5 oder ein individuelles Format in Millimetern.

  2. Ausrichtung, also Hochformat oder Querformat.

  3. Seitenzahl und ob weitere Seiten voraussichtlich hinzukommen.

  4. Einzelseiten oder gegenüberliegende Seiten für ein mehrseitiges Druckprodukt.

  5. Bindungsart, etwa Rückstichheftung, Klebebindung oder Spiralbindung.

  6. Vorgaben der Druckerei, insbesondere zu Anschnitt, Sicherheitsabstand und PDF Standard.

  7. Inhaltliche Struktur: Brauchst du eine einspaltige Broschüre, ein zweispaltiges Magazin oder ein Raster mit mehreren Spalten?

Wenn du für einen Kunden arbeitest, frage diese Punkte aktiv ab. Gerade die Bindung wird oft erst spät genannt, obwohl sie den Satzspiegel deutlich beeinflusst.

Neues Dokument mit der passenden Seitengröße anlegen

Lege ein neues Dokument über den Befehl „Neu“ im Menü „Datei“ an. Im Dialog kannst du unter anderem Seitengröße, Ausrichtung, Seitenzahl, Ränder, Spalten und Anschnitt festlegen. Diese Einstellungen sind nicht endgültig, aber ein guter Start erspart dir spätere Umbauarbeiten.

Bei der Seitengröße ist wichtig: InDesign erwartet das Endformat, nicht das offene Format eines gefalzten Bogens. Eine A4 Broschüre mit gegenüberliegenden Seiten besteht also aus einzelnen A4 Seiten. Die Doppelseite ergibt sich erst im Layout.

Wähle bei Standardformaten wie A4 oder A5 die vorhandene Vorgabe. Bei Sonderformaten gibst du Breite und Höhe direkt ein. Arbeite dabei möglichst in Millimetern, wenn das Dokument gedruckt werden soll. Für digitale Formate können Pixel sinnvoll sein, etwa bei Social Media Grafiken oder Bildschirmpräsentationen. Für klassische Broschüren, Magazine und Flyer bleiben Millimeter jedoch die verlässlichere Einheit.

Die Ausrichtung beeinflusst nicht nur die Optik. Sie entscheidet auch darüber, wie Textspalten funktionieren und welche Bildformate sich gut unterbringen lassen.

  1. Hochformat passt häufig zu Briefen, Berichten, Katalogen und Magazinen mit viel Lesetext.

  2. Querformat eignet sich oft für Präsentationen, Bildbände, technische Dokumentationen oder Tabellen mit vielen Spalten.

  3. Quadratische Formate wirken prägnant, benötigen aber oft eine bewusstere Gestaltung, weil viele Standardinhalte dafür nicht vorbereitet sind.

Änderst du das Seitenformat später über „Dokument einrichten“, bleiben die bestehenden Objekte grundsätzlich erhalten. Sie passen sich aber nicht automatisch sinnvoll an. Prüfe deshalb nach jeder Formatänderung Bilder, Textrahmen, Musterseiten und Seitenzahlen.

Einzelseiten oder Doppelseiten richtig wählen

Die Einstellung „Gegenüberliegende Seiten“ ist entscheidend für Broschüren, Magazine, Bücher und Geschäftsberichte. Ist sie aktiviert, zeigt InDesign linke und rechte Seiten als Doppelseite an. Die Innenseiten liegen am Bund, die Außenseiten am äußeren Papierrand.

Für einseitige Flyer, Plakate, Anzeigen, Formulare oder einzelne PDF Seiten brauchst du diese Einstellung meist nicht. Arbeite dann mit Einzelseiten. Das ist übersichtlicher und verhindert, dass du versehentlich über einen Bund hinweg gestaltest.

Bei gegenüberliegenden Seiten solltest du besonders auf diese Punkte achten:

  1. Die erste Seite eines Dokuments ist in der Regel eine rechte Seite. Das entspricht der Titelseite einer Broschüre.

  2. Die innere Seite braucht meist einen größeren Rand als die äußere Seite, weil am Bund Fläche verloren geht.

  3. Gestaltest du ein großes Foto über beide Seiten hinweg, plane den Bund mit ein. Wichtige Gesichter, Logos oder feine Linien sollten nicht genau in der Mitte liegen.

  4. Seitenzahlen, Kolumnentitel und wiederkehrende Gestaltungselemente unterscheiden sich oft auf linken und rechten Seiten. Das steuerst du am besten über Musterseiten.

Eine Doppelseite ist also kein breiteres Seitenformat. Sie besteht aus zwei eigenständigen Seiten, die im Layout nebeneinander angezeigt werden.

Ränder definieren: Dein Satzspiegel beginnt hier

Ränder markieren den Bereich, in dem Text und wichtige Gestaltungselemente sicher stehen. Sie sind keine gedruckten Linien, sondern Hilfslinien für deinen Satzspiegel. Du kannst sie im Dialog für das neue Dokument festlegen oder später über „Ränder und Spalten“ im Menü „Layout“ ändern.

InDesign unterscheidet vier Ränder:

  1. Oben: Abstand zur oberen Papierkante.

  2. Unten: Abstand zur unteren Papierkante.

  3. Innen: Abstand zum Bund bei gegenüberliegenden Seiten.

  4. Außen: Abstand zur äußeren Papierkante.

Bei Einzelseiten heißen die entsprechenden Werte links und rechts. Bei Doppelseiten ist die Unterscheidung zwischen innen und außen wichtig, weil sich die Seiten im Bund treffen.

Für einen Bericht mit viel Text ist ein großzügiger Satzspiegel angenehmer zu lesen als Text bis nahe an die Papierkante. Besonders unten darf der Rand oft etwas größer sein, weil dort Seitenzahlen oder Fußzeilen Platz benötigen. Bei klebegebundenen Produkten sollte der Innenrand deutlich großzügiger ausfallen. Wie groß genau, hängt von Papierumfang und Bindung ab.

Wichtig: Ränder verschieben deine Objekte nicht automatisch. Wenn du den Satzspiegel nachträglich veränderst, musst du vorhandene Textrahmen und Bilder gegebenenfalls anpassen. Deshalb lohnt es sich, vor dem Gestalten einen Musterseitenaufbau anzulegen und dort wiederkehrende Elemente zu platzieren.

Spalten nutzen, ohne den Text einzuengen

Spalten helfen dir, lange Texte lesbar zu strukturieren. Sie erzeugen ein klares Raster und erleichtern die Platzierung von Text, Bildern, Infokästen und Tabellen. Im Dialog „Ränder und Spalten“ legst du die Spaltenanzahl und den Spaltenzwischenraum fest.

Der Spaltenzwischenraum wird auch Steg genannt. Er muss breit genug sein, damit zwei Textspalten nicht optisch zusammenkleben. Ist er zu schmal, springt das Auge beim Lesen leicht in die falsche Zeile. Ist er sehr breit, verschenkt das Layout Fläche.

Als Grundregel gilt: Je schmaler die Spalte, desto kürzer sollten die Zeilen bleiben. Eine sehr schmale Spalte mit großer Schrift kann ebenso unruhig wirken wie eine breite Spalte mit vielen Wörtern pro Zeile.

Beachte dabei einen häufigen Fehler: Dokumentspalten sind zunächst nur Hilfslinien. Sie teilen keinen Textrahmen automatisch in mehrere Spalten. Wenn dein Fließtext zweispaltig laufen soll, musst du entweder einen Textrahmen über die gesamte Breite anlegen und dessen Spalten in den Textrahmenoptionen definieren oder getrennte Textrahmen verwenden.

Für redaktionelle Layouts ist meist ein mehrspaltiges Grundraster sinnvoll. Auch wenn ein Text nur zwei Spalten belegt, kannst du mit vier oder sechs Grundspalten flexibler arbeiten. Bilder, Zitate und Infokästen lassen sich dann leichter ausrichten.

Anschnitt von Anfang an berücksichtigen

Anschnitt brauchst du, wenn ein Bild, eine Farbfläche oder eine Linie bis zur Papierkante laufen soll. Beim Druck wird das Papier nach dem Druck beschnitten. Damit an der Kante kein unbedruckter Blitz entsteht, muss das Motiv über das Endformat hinausreichen.

Trage den Anschnitt bereits beim Anlegen des Dokuments ein. Die konkrete Größe gibt die Druckerei vor. Häufig sind 3 Millimeter vorgesehen, verbindlich ist jedoch immer die Produktionsvorgabe für dein Projekt.

In InDesign wird der Anschnitt als äußerer Bereich außerhalb der Seite angezeigt. Ziehe angeschnittene Bilder und Farbflächen bis an diese Anschnittlinie. Text, Logos, Seitenzahlen und wichtige Bilddetails gehören dagegen in den Satzspiegel und nicht in den Anschnitt.

Prüfe vor dem PDF Export besonders diese drei Punkte:

  1. Reichen alle angeschnittenen Objekte wirklich bis in den Anschnitt?

  2. Gibt es weiße Kanten an Bildern oder Farbflächen?

  3. Ist beim PDF Export eingestellt, dass der Anschnitt des Dokuments verwendet wird?

Der Anschnitt ist keine Sicherheitszone für Inhalt. Er ist ausschließlich Reserve für den Beschnitt.

Deine kurze Kontrolle vor dem ersten Layout

Bevor du Musterseiten, Textrahmen und Bilder anlegst, kontrolliere dein Dokument noch einmal:

  1. Stimmt das Seitenformat mit dem gewünschten Endformat überein?

  2. Ist Hochformat oder Querformat bewusst gewählt?

  3. Sind gegenüberliegende Seiten nur dann aktiviert, wenn das Produkt wirklich einen Bund hat?

  4. Berücksichtigt der Innenrand die Bindung?

  5. Passen Spaltenanzahl und Spaltenzwischenraum zur Textmenge und Gestaltung?

  6. Ist der Anschnitt nach den Vorgaben der Druckerei eingetragen?

  7. Sind wichtige Inhalte weit genug von der Endkante entfernt?

Wenn du diese Grundlagen sicher beherrschst, wird der restliche Layoutprozess deutlich ruhiger. Passende InDesign Seminare und Termine findest du bei uns auf cmt.de.

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