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Farbe, Bilder & Grafik

Farbfelder, Volltonfarben und Verläufe anlegen

Farbfelder, Volltonfarben und Verläufe in InDesign richtig anlegen: So hältst du Farben im gesamten Dokument konsistent.

18. August 2023 7 Min. Lesezeit

KI-generiert

Ein Flyer ist fast fertig, die Broschüre hat bereits 36 Seiten, dann kommt die Rückmeldung aus dem Marketing: Das Blau soll etwas dunkler werden. Wenn du die Farbe direkt in Textrahmen, Flächen und Konturen definiert hast, beginnt jetzt die Suche. Arbeitest du dagegen konsequent mit Farbfeldern, änderst du eine Definition einmal und InDesign aktualisiert alle zugehörigen Elemente im Dokument. Genau dafür ist das Bedienfeld „Farbfelder“ da.

Farbfelder sind die zentrale Farbverwaltung

Farbfelder sind gespeicherte Farbdefinitionen. Du weist sie Flächen, Konturen, Texten, Tabellen und zahlreichen weiteren Objekten zu. Dabei speichert InDesign nicht nur den sichtbaren Farbton, sondern auch wichtige Eigenschaften wie Farbmodus und Farbtyp.

Das Bedienfeld „Farbfelder“ öffnest du über „Fenster“ und „Farbe“. Dort findest du in einem neuen Dokument oft bereits einige Einträge, etwa „Papier“, „Schwarz“, „Passermarken“ und „Ohne“.

Diese Standardfelder haben unterschiedliche Aufgaben:

FarbfeldWofür es gedacht ist
„Papier“Simuliert die Papierfarbe in der Layoutansicht. Im Druck wird dadurch normalerweise keine Farbe erzeugt.
„Schwarz“Ist in vielen Dokumenten als Prozessfarbe mit 100 Prozent Schwarz angelegt.
„Passermarken“Ist ausschließlich für Druckermarken gedacht und wird auf allen Druckplatten ausgegeben.
„Ohne“Entfernt eine Flächenfarbe oder Kontur.

„Passermarken“ solltest du niemals für Gestaltungselemente verwenden. Diese Farbe wird auf jeder vorhandenen Druckplatte ausgegeben. Ein Logo oder eine schwarze Linie kann dadurch im Mehrfarbdruck unerwünscht kräftig oder unsauber erscheinen.

Für eigene Farben klickst du im Bedienfeld „Farbfelder“ auf das Symbol für ein neues Farbfeld oder wählst im Bedienfeldmenü „Neues Farbfeld“. Im Dialog legst du Farbtyp, Farbmodus und Farbwerte fest. Vergib anschließend einen eindeutigen Namen. Statt „Blau neu“ ist etwa „Hausfarbe Blau“ oder „Akzent Blau dunkel“ hilfreicher, besonders wenn mehrere Personen am Dokument arbeiten.

Prozessfarben und Volltonfarben richtig unterscheiden

Die wichtigste Entscheidung beim Anlegen eines Farbfelds lautet: Prozessfarbe oder Volltonfarbe?

Eine Prozessfarbe wird aus den Druckfarben Cyan, Magenta, Gelb und Schwarz aufgebaut. Im Offsetdruck werden dafür in der Regel vier Druckplatten verwendet. Für viele Fotos, Illustrationen und Standardfarben ist CMYK der übliche Weg.

Eine Volltonfarbe ist dagegen eine eigenständige Druckfarbe. Sie wird zusätzlich zu CMYK gedruckt und erhält eine eigene Druckplatte. Bekannte Volltonfarbsysteme sind beispielsweise Pantone. Eine Volltonfarbe kann sinnvoll sein, wenn ein Unternehmensfarbton besonders präzise und wiederholbar gedruckt werden muss oder wenn eine Sonderfarbe wie Metallic, Weiß oder ein fluoreszierender Farbton vorgesehen ist.

Für die tägliche Praxis hilft diese Einordnung:

SituationSinnvolle Farbdefinition
Vierfarbige Broschüre mit FotosProzessfarben in CMYK
Geschäftsausstattung mit verbindlicher SonderfarbeVolltonfarbe nach Vorgabe der Druckerei oder des Corporate Designs
Schwarzer FließtextProzessfarbe „Schwarz“, meist 100 Prozent K
Weißdruck auf dunklem MaterialVolltonfarbe, wenn die Druckproduktion dies vorsieht
Digitales PDF für Bildschirm und PräsentationHäufig RGB, abhängig vom Ausgabeziel

Wichtig: Eine Volltonfarbe ist keine bloß optische Kennzeichnung. Sie beeinflusst die Druckausgabe. Wenn du eine Volltonfarbe im Dokument verwendest, kann daraus eine zusätzliche Druckplatte entstehen. Das verursacht in der Regel andere Produktionsanforderungen als ein reiner CMYK Druck.

Prüfe deshalb früh, welches Druckverfahren und welche Farben vorgesehen sind. Wenn eine Druckerei eine konkrete Farbnummer vorgibt, übernimmst du diese als Volltonfarbe. Wenn nur ein ungefährer Bildschirmfarbton vorliegt, ist es riskant, auf eigene Faust eine Volltonfarbe auszuwählen. Die Darstellung am Monitor ist kein verlässlicher Ersatz für einen abgestimmten Farbfächer oder einen verbindlichen Proof.

Farbgruppen schaffen Ordnung im Bedienfeld

In umfangreichen Dokumenten wächst die Zahl der Farbfelder schnell. Neben Hausfarben kommen Tabellenfarben, Infografikfarben, Korrekturstände und importierte Farben aus platzierten Dateien hinzu. Farbgruppen helfen dir, das Bedienfeld übersichtlich zu halten.

Eine Farbgruppe ist ein Ordner innerhalb des Bedienfelds „Farbfelder“. Du kannst darin zusammengehörige Farben bündeln, zum Beispiel:

  • „Corporate Design“
  • „Diagramme“
  • „Jahresbericht“
  • „Kampagne Herbst“
  • „Freigabe Druck“

Wähle mehrere Farbfelder aus und erstelle daraus eine neue Farbgruppe. Achte darauf, dass die Gruppe eine organisatorische Hilfe ist. Die Farben bleiben eigenständige Farbfelder. Änderst du die Definition eines Farbfelds, wirkt sich das weiterhin auf alle Objekte aus, die dieses Farbfeld verwenden.

Besonders praktisch sind Farbgruppen bei Vorlagen. Wenn bei uns Teams wiederkehrende Dokumente wie Datenblätter, Angebotsvorlagen oder Magazine aufbauen, legen wir die benötigten Hausfarben und Funktionsfarben von Anfang an strukturiert ab. Dazu gehören etwa Farben für Überschriften, Tabellenköpfe, Warnhinweise und Diagrammreihen. So müssen Anwenderinnen und Anwender nicht bei jeder Datei neue Farben erfinden.

Farben niemals nur über das Farbfeldsymbol mischen

Du kannst in InDesign im Bedienfeld „Farbe“ Farbwerte einstellen. Das ist für schnelle Tests hilfreich, birgt aber eine typische Fehlerquelle: Eine direkt zugewiesene Farbe kann als unbenanntes Farbfeld im Dokument auftauchen oder später schwer wiederzufinden sein.

Unser Grundsatz lautet: Sobald eine Farbe wiederholt vorkommt oder gestalterisch relevant ist, wird sie als benanntes Farbfeld angelegt. Das gilt besonders für:

  • Unternehmensfarben
  • Farben in Absatzformaten und Zeichenformaten
  • Flächen in Musterseiten
  • Tabellenfarben
  • wiederkehrende Diagrammfarben
  • Konturen und Linien
  • Buttons und grafische Navigationselemente

Auch bei Textformaten solltest du immer ein Farbfeld zuweisen. Öffne das betreffende Absatzformat oder Zeichenformat und hinterlege die Farbe dort. Dann bleibt die Formatierung konsistent, selbst wenn sich die Hausfarbe später ändert.

Ein häufiger Stolperstein ist die Kombination aus Farbe und Tonwert. Wenn du für hellere Abstufungen eines Blaus mehrere fast gleiche neue Farbfelder anlegst, wird die Datei schnell unübersichtlich. Besser ist es oft, ein Grundfarbfeld zu verwenden und im Bedienfeld „Farbfelder“ eine Tonwertvariante anzulegen. Gib auch dieser einen verständlichen Namen, etwa „Hausfarbe Blau 30 Prozent“. So bleibt klar, dass die Farbe zum definierten Grundton gehört.

Verläufe als Farbfelder anlegen

Ein Verlauf besteht aus mindestens zwei Farbstopps. Jeder Stopp kann eine Farbe und einen eigenen Mittelpunkt erhalten. InDesign bietet dafür das Bedienfeld „Verlauf“. Du kannst einen linearen oder radialen Verlauf anlegen und anschließend mit dem Verlaufswerkzeug auf einem Objekt ausrichten.

Für wiederkehrende Verläufe solltest du nicht jedes Mal neue Einstellungen vornehmen. Lege den Verlauf als Verlaufsfarbfeld an. Dadurch kannst du ihn genau wie eine normale Farbe auf Flächen und Konturen anwenden.

Ein sinnvoller Ablauf sieht so aus:

  1. Lege zuerst die benötigten Grundfarben als Farbfelder an.
  2. Erstelle im Bedienfeld „Verlauf“ einen neuen Verlauf.
  3. Weise den Farbstopps die vorhandenen Farbfelder zu.
  4. Stelle Verlaufstyp, Positionen und Mittelpunkt ein.
  5. Speichere das Ergebnis als Verlaufsfarbfeld mit einem eindeutigen Namen.
  6. Wende den Verlauf auf ein Objekt an und richte ihn mit dem Verlaufswerkzeug aus.

Verwende in Verläufen möglichst ebenfalls vorhandene Farbfelder. Wenn der Unternehmensfarbton später angepasst wird, bleibt die Farblogik nachvollziehbar. Beachte aber: Die Ausrichtung eines Verlaufs gehört zum jeweiligen Objekt. Das Verlaufsfarbfeld speichert die Farben und Grunddefinition, nicht zwingend die räumliche Wirkung auf jeder einzelnen Fläche.

Bei transparenten Verläufen ist Vorsicht angebracht. Ein Verlauf von einer Farbe zu „Ohne“ kann im Layout plausibel aussehen, in komplexen Druckdaten aber Transparenzreduzierung und Ausgabe beeinflussen. Prüfe solche Effekte im finalen PDF besonders sorgfältig, vor allem wenn sie über Bildern oder anderen transparenten Objekten liegen.

Konsistenz mit Preflight und Ausgabe prüfen

Vor dem Export lohnt sich ein Blick in „Fenster“ und „Ausgabe“ sowie in die „Separationsvorschau“. Dort kannst du kontrollieren, welche Prozessfarben und Volltonfarben im Dokument tatsächlich vorkommen. Wenn eine angeblich vierfarbige Broschüre plötzlich eine zusätzliche Sonderfarbe enthält, findest du den Fehler häufig hier.

Zusätzlich hilft der Preflight. Über das Bedienfeld „Preflight“ kannst du ein Profil verwenden, das beispielsweise unerwünschte Volltonfarben oder RGB Bilder meldet. Welche Regeln sinnvoll sind, hängt vom geplanten Ausgabeweg ab.

Vor der Übergabe an die Druckerei solltest du außerdem diese Punkte prüfen:

  • Sind alle verwendeten Hausfarben eindeutig benannt?
  • Gibt es doppelte oder nahezu identische Farbfelder?
  • Sind Volltonfarben wirklich gewollt und mit der Druckerei abgestimmt?
  • Sind Schwarzwerte für Text, Flächen und große Hintergründe passend definiert?
  • Verwenden Absatzformate und Zeichenformate die richtigen Farbfelder?
  • Sind Verläufe im exportierten PDF visuell geprüft?
  • Zeigt die Separationsvorschau nur die vorgesehenen Druckfarben?

Wenn du das Dokument an andere weitergibst, nutze „Verpacken“. InDesign sammelt damit unter anderem Dokument, Verknüpfungen und verwendete Schriften. Die Farbfelder bleiben im InDesign Dokument enthalten, dennoch ist eine kurze Dokumentation der verwendeten Sonderfarben bei komplexen Produktionen sehr sinnvoll.

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Die wichtigste Regel für saubere Farbdateien

Lege Farben früh an, benenne sie klar und verwende sie konsequent über das Bedienfeld „Farbfelder“. Dann wird aus einer Farbentscheidung keine mühsame Suche durch Text, Grafiken und Musterseiten. Besonders bei längeren Dokumenten spart dir diese Arbeitsweise Zeit, reduziert Korrekturfehler und macht die Druckausgabe deutlich besser kontrollierbar.

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